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28 Verletzte bei Polizeieinsatz gegen Raver in der Bretagne

In der Nacht von Freitag auf Samstag ist es in der Nähe von Le Faouët in der Bretagne zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Besuchern eines aufgelösten Techno-Raves gekommen.

Laut Agenturmeldungen und französischen Szene-Websites waren die Veranstalter nach Absagen der Präfektur bereits seit zwei Tagen unterwegs auf der Suche nach einer Location. Mehrere tausend Raver und etwa 20 Soundsysteme sahen sich etwa eintausend Einsatzkräften verschiedener Polizeieinheiten gegenüber. Die Raver warfen mit Flaschen und Steinen, „nachdem ihre rund zwei Dutzend Lastwagen mit den Musikanlagen beschlagnahmt worden waren“ und „als die Polizei mehrere hundert Raver vertreiben wollte, die für ihre Tanzparty keine behördliche Genehmigung hatten“ (afp). Dabei wurden mindestens 25 Partybesucher verletzt, vier davon schwer. Die Polizei setzte Tränengas- und etwa sechzig Offensivgranaten ein. Einem Raver sei die Hand abgerissen worden.

Die Fuckparade fordert: Keine Kriminalisierung von Ravern! Techno-Parties sind keine Bedrohung der „inneren Sicherheit“! Wir wenden uns gegen eine Vorverurteilung und Kriminalisierung von Veranstaltern und Ravern sowie gegen überzogene Polizeiaktionen! Wie auch die Polizeiblockaden bei deutschen Raves zeugen die Vorfälle in Frankreich von Vorurteilen und einer Politik, die sich an den Interessen einiger weniger ausrichtet, deren Kulturdefinition die heutige Jugendkultur ausschließt. Keine Knüppel und Granaten gegen tanzende Jugendliche, nicht in Frankreich oder anderswo!

Hintergrund der Eskalation ist ein französisches Anti-Rave-Gesetz. Im Frühjahr 2001 reichte der rechtspopulistische UMP-Abgeordnete Thierry Mariani einen Gesetzentwurf ein, der es erlauben würde, Soundsysteme von nicht genehmigten Parties zu beschlagnahmen. Dies wurde später erweitert um eine sechsmonatige Strafandrohung und 7500 Euro Geldstrafe. Als alleine in Paris im Juni 2001 mehr als 100.000 Menschen gegen dieses Gesetz auf die Straße gingen, wurde es zunächst gestrichen. Nach dem 11. September 2001 erfuhr es aber eine Neuauflage, als es doch noch unter die französischen Anti-Terror-Gesetze gemogelt wurde. Seither müssen Raves auch auf Privatgrundstücken der Präfektur gemeldet und von ihr genehmigt werden, andernfalls drohen Geld- und Freiheitsstrafen sowie die Beschlagnahme der Soundanlagen.

In der Praxis wurde das Gesetz vielfach verwendet, um Raves zu verhindern. Die Präfekturen zeigen sich unkooperativ und fordern die Erfüllung von übertriebenen Sicherheitsauflagen, die von den oftmals unkommerziellen Veranstaltern unmöglich erfüllt werden können.

Die Fuckparade fordert: Keine Party ist illegal! Maximale Toleranz und Offenheit statt Zero Tolerance und bürokratischer Servicewüste!

Mehr Info und Hintergründe:

Martin Kliehm (DJ Trauma XP)
trauma@fuckparade.org, www.fuckparade.org